Christine Hidringer

Meinen ersten Brief schrieb ich an meine Eltern, da war ich sieben. Ich teilte ihnen mit, dass ich bei meiner Beerdigung „Freude schöner Götterfunken“, gespielt von Geigen, hören wollte, faltete den Zettel und schob ihn in die Ritze zwischen Ober- und Unterteil unseres Küchenschranks. Keine Ahnung, wo der abgeblieben ist, ebenso wenig ist mir der Aufenthaltsort all der anderen Elaborate, die sich in den Jahren darauf häuften, bekannt. Geschichten und Briefe, Gedichte und Chroniken – ich schreibe, was sich nicht schnell genug auf die Bäume der Vergesslichkeit gerettet hat. Das meiste staubt in Schubladen zu, das eine oder andere schafft es raus in die Welt.

Meine Figur in der Regenbogenstraße: Peter Bundschuh